PFLEGE

Zusammenfassung:

In den ersten Tagen des Heilungsprozesses muss mit einer kleinen Schwellung und etwas erhöhter Temperatur (leichter Sonnenbrand) an der betreffenden Stelle gerechnet werden.

Vor der Pflege immer die eigenen Hande waschen. Vermeide den Kontakt mit fremder Korper-flüssigkeit.

Morgens und Abends mit Octenisept oder Kamillosan das Piercing pflegen. Hat es eine Kruste, diese niemals trocken wegkratzen, sondern zuerst aufweichen, dann mit einem Wattestabchen entfernen.Das Piercing in Ruhe lassen, so selten wie moglich anfassen. Beim Bauch- oder Brustpiercing auf die Kleidung achten. Auf heisse Wannenbader, Solarium oder Schwimmbad in der ersten Woche verzichten.

Heilung

Ein Stuck Metall ist Dir eingesetzt worden. Da diese offene Wunde eine Eintrittspforte für Bakterien ist, wird der Körper versuchen, diese Wunde zu schliessen. Durch den Schmuck wird verhindert, dass sich die Wundflachen aneinanderlegen, daher ist der einzige Weg, die Wunde zu schliessen, eine Hautrohre, die, von den Austrittslochern her nach innen wachsend, den Schmuck umschliesst. Bei der Wundheilung kann man folgende Phase unterscheiden:

1. Entzündung2. Reparatur3. Festigung

Diese Phasen starten und enden nicht abrupt, sondern gehen ineinander über. Die Dauer des Heilungsprozesses ist unterschiedlich. Die entzündliche Phase beginnt mit dem Gewebeschaden, also dem eigentlichen Piercing. Nachdem durch Zusammenziehen der Blutgefässe und Blutgerinnung die eventuell aufgetretene Blutung zum Stillstand gekommen ist, wird die Durchblutung in der Umgebung des Piercings gesteigert, was man an einer leichten Rötung und Schwellung sowie leichter Erwarmung feststellen kann. Hierbei kommt es auch zum Austritt klarer Wundflüssigkeit und zum Einwandern von weissen Blutkörperchen. Diese haben die Aufgabe, Blutgerinnsel und Gewebe-trümmer zu entfernen, bevor die eigentliche Reparatur des Gewebes beginnen kann. Sie bekämpfen auch eindringende Bakterien.

Während dieser Phase zeigt Dein Piercing eine leichte Rötung an den Austrittslochern, es kann leicht geschwollen sein und die Haut kann sich etwas warmer anfühlen. Diese Symptome geben sich nach ca. einer Woche, die leichte Rötung kann auch noch langer bestehen bleiben.

Die Reparaturphase ist durch das Auftreten von „Granulationsgewebe“ gekennzeichnet, das aus sich neu bildenden Kapillaren (feinste Blutgefässen) uns sich schnell teilenden Bindegewebszellen besteht, die später Bindegewebsfasern bilden, was dem Gewebe Stabilität gibt. Dieses Granulationsgewebe bildet eine Rohre um den Piercingschmuck. An den Austrittslochern fangen dann Hautzellen an, sich zu teilen und sich langsam ins Innere des Stichkanals auszubreiten, dabei das Granulationsgewebe zu bedecken und schliesslich die Wunde zu schliessen. Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, wird ständig weissliche Wundflüssigkeit austreten und an den Austrittslochern sowie am Schmuck zu gelblichen Krusten festtrocknen. In dieser Phase ist das Piercing sehr empfindlich. Das Granulationsgewebe blutet leicht, wenn man es irritiert. In der Reparaturphase wird die Rötung weiter zurückgehen, und das Piercing wird aufhören, wie eine frische Wunde auszusehen, sobald die Hautneubildung begonnen hat.

Die neue Hautrohre kann sich dem Schmuck sehr fest anlegen, was das Drehen des Schmucks schwierig macht. Wenn man jetzt den Schmuck gewaltsam dreht, kann man den ganzen, noch nicht fertiggestellten Hautschlauch herausreissen und die Heilung muss von neuem beginnen. Irgendwann gibt das Gewebe dann auch wieder nach, man muss sich keine Sorgen machen, dass der Schmuck „festwachst“, das kann mit Piercingschmuck guter Qualität einfach nicht passieren. Man sollte wahrend dieser Zeit den Schmuck nicht entfernen. Die Wundflüssigkeit wurde dafür sorgen, dass der Stichkanal zusammenklebt, was das Wiedereinsetzen des Schmucks schwierig oder sogar unmöglich macht. Das kann innerhalb weniger Minuten passieren! Wenn man denn den Schmuck unbedingt austauschen muss, sollte man den neuen Schmuck direkt hinter dem alten herschieben. Die lockere Struktur des Gewebes im Stichkanal kann es schwierig machen, das Austrittsloch zu finden, wenn man den alten Schmuck bereits entfernt hat.

Gegen Ende der Reparaturphase beginnt die Festigungsphase. Die weissen Blutkörperchen ziehen sich zurück (ihre Arbeit ist getan), die Anzahl der Kapillaren wird verringert, weil kein Bedarf mehr für die erhöhte Durchblutung besteht, und die Bindegewebszellen produzieren Kollagen und elastische Fasern (=Narbengewebe). Man beachte, dass Narbengewebe nie so elastisch ist, wie das ursprüngliche Gewebe und daher leichter reisst.

Bei Fragen meldest du dich bitte aussschliesslich bei mir – evtl. schaue ich mir das Piercing an und wir besprechen das weitere Vorgehen. Bitte kein Salben verwenden, meist sind sie für Piercings alles andere als heilend.